11.05.2015
Motorensymposium

Experten einig: Verbrennungsmotor bleibt noch viele Jahre dominant

Zwei Tage lang konferierten Anfang Mai 1.000 Motorenexperten aus aller Welt und Topmanager der Automobil- und Zulieferindustrie im Kongresszentrum Hofburg Wien beim 36. Internationalen Wiener Motorensymposium.

Die Experten diskutierten in mehr als 40 Vorträgen bedeutende Fortschritte im Automobilbau. Im Fokus der Tagung stand der Antriebsstrang in seiner Gesamtheit und damit die Frage, wie Autohersteller in der Zukunft eine nachhaltige und umweltfreundliche Mobilität sicherstellen können. Univ.-Prof. Dr. Hans Peter Lenz, Vorsitzender des Österreichischen Vereins für Kraftfahrzeugtechnik und Leiter der Veranstaltung, resümierte: "Es ist es beeindruckend, wie viele und wie entscheidende Verbesserungen und Änderungen nach über 100 Jahren Antriebsentwicklung auch heute noch erzielt werden, als wie anpassungsfähig sich der Verbrennungsmotor erwiesen hat. Der Trend zu kleineren Motoren mit geringeren Hubräumen geht weiter, und die Motoren zeigen sich immer effizienter und immer mehr elektrifiziert. Die Grundlast liefert der Verbrennungsmotor für lange Strecken, während beim Beschleunigen und Bremsen elektrische Komponenten mitwirken. Auch die Nebenaggregate werden mehr und mehr elektrisch angetrieben."

In mehr als 40 Vorträgen diskutierten Teilnehmer über zukünftige Antriebstechnologien
Bild: Hofburg Vienna  

Die Begeisterung für rein elektrische Antriebe habe hingegen einen Dämpfer erhalten. Die Hilferufe nach staatlicher Förderung zeigten, dass die Kunden ein Fahrzeug, das eine kleinere Reichweite hat, das längere Zeit braucht um aufzuladen, mit eingeschränktem Raumangebot und zudem noch teuer, nicht akzeptieren. "Wenn es überhaupt eine Alternative zu den heutigen Verbrennungsmotoren gibt, liegt diese beim Plug-in-Hybrid," so Prof. Lenz. "Hier wird elektrisches Fahren ermöglicht, ohne auf Reichweite verzichten zu müssen, und auch ohne elektrische Aufladung ist Fahren möglich. Allerdings wird ohne gesetzlichen Druck kein Kunde bereit sein, den Mehraufwand zu tragen."

Die zum Teil emotionellen Diskussionen um die Elektrifizierung der Antriebe haben in sachlicher Atmosphäre zu allgemein akzeptierten Ergebnissen geführt, so Prof. Lenz. "Wir brauchen in Zukunft den Verbrennungsmotor und elektrische Unterstützung: Von Start/Stopp-Systemen, Boosten, Rekuperieren bis Plug-in-Systemen." Denn die zentrale Schlussfolgerung der Tagung war unter allen Experten unbestritten: "Der Verbrennungsmotor", fasst Prof. Lenz zusammen, "wird noch mindestens weitere zwanzig Jahre die Basis für Fahrzeugantriebe bleiben, aber ohne Elektrifizierung geht in Zukunft nichts mehr."