16.08.2016
Burkhard Ernst

„Kfz-Kaskoversicherungen bergen Risiken für Konsumenten“

Das Bundesgremium Fahrzeughandel warnt vor Klauseln, die eine Einstufung von Fahrzeugen als „wirtschaftlicher Totalschaden“ ermöglichen, obwohl Besitzer lieber eine Reparatur gehabt hätten.

Bisher galt es in den Köpfen der Autolenker als unumstößliche Tatsache: Wer eine Kaskoversicherung abschließt, schützt sich und sein Auto optimal für den Schadensfall. Der Nimbus vom risikofreien Rundumschutz verliert aufgrund von vermehrten Problemfällen bei Reparaturzahlungen nun aber an Glanz. Ein OGH-Urteil bestätigt die Rechtmäßigkeit von heiklen Vertragsvereinbarungen, die Konsumenten nicht ausreichend bekannt sein dürften: War es bisher gängige Praxis bei kaskoversicherten Autos bis zu einem Schaden von etwa 70 % des Wiederbeschaffungswertes reparieren zu lassen, so können Versicherer nun den erzielbaren Restwert via Internet-Wrackbörse ermitteln und diesen miteinbeziehen. Die Folge ist vielfach die Einstufung als „wirtschaftlicher Totalschaden“. Die Versicherung muss in dem Fall lediglich die Differenz zwischen Zeitwert und Wrackerlös begleichen, ohne die tatsächlichen Reparaturkosten zu berücksichtigen. Das Fahrzeug wird dann vom Wrackhändler abgeholt, obwohl dem Besitzer eine Reparatur möglicherweise lieber gewesen wäre.

Burkhard Ernst, Obmann des Bundesgremiums Fahrzeughandel in der WKÖ
Bild: WKÖ  

Für Burkhard Ernst, Obmann des Bundesgremiums Fahrzeughandel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), eine vollkommen unbefriedigende Situation, die durch die richtige Wahl des Versicherers aber vermieden werden kann. „Wer auf der sicheren Seite sein und juristische Schlupflöcher umschiffen möchte, sollte seine Versicherung direkt im Kfz-Betrieb abschließen. Der Branchenversicherer des österreichischen Kfz-Gewerbes bietet beispielsweise Reparaturen bis zu 100 Prozent des Wiederbeschaffungswertes“, so Ernst.

Vom Blech- zum wirtschaftlichen Totalschaden

Laut herrschender Rechtslage liegt ein Totalschaden dann vor, wenn die Reparaturkosten und der Restwert den Wiederbeschaffungswert übersteigen. Die Versicherer können somit Schäden, die bei weitem nicht an den Fahrzeugwert heranreichen, zum Totalschaden erklären. Die Auswirkungen dieser sogenannten Totalschadenklausel sind den meisten Kunden nicht bewusst, weshalb der heimische Fahrzeughandel nun gezielt Aufklärungsarbeit leisten möchte. „Es ist essenziell, die heimischen Autolenker über dieses Risiko zu informieren. Als Fahrzeughandel leisten wir hier einen wichtigen Beitrag“, unterstreicht Branchensprecher Burkhard Ernst.