18.12.2009
FAHRZEUGHANDEL

Rekordverkauf – aber keine Gewinne

Das Jahr 2009 wird mit den zweithöchsten Zulassungszahlen aller Zeiten in der Autobranche abgeschlossen werden: Es wird österreichweit mit einem Verkauf von 317.000 Fahrzeugen gerechnet. Die schlechte Nachricht: Der Autohandel konnte dennoch kaum Gewinn erzielen.

Das Bundesgremium des Fahrzeughandels gab in einer Presskonferenz in Linz die voraussichtliche Bilanz im Autoverkauf des Jahres 2009 bekannt: Bereits Ende November wurde mit 299.981 neu zugelassenen Pkw und Kombis das gesamte Vorjahresergebnis um 7,91 % übertroffen, Mag. Henrik Kinder und Ernst Riedmüller von Eurotax errechnen bei Fortsetzung dieses Plus im Dezember ein Gesamtzulassungsvolumen von rund 317.000 Einheiten für das Jahr 2009, das damit in der bisherigen Statistik das zweitstärkste Autojahr überhaupt wird.

"Ein Super-Autojahr", betonte Dr. Gustav Oberwallner, Obmann des Bundesgremiums des Fahrzeughandels. "Die Ökoprämie mit 30.000 steuerlich begünstigten Autos führte ab April zur großen Trendwende. Die Leute haben rasch reagiert und der Impuls zum Kauf von Neuwagen hat auch über den 9. Juli angehalten, an dem die 30.000 'Öko-Autos' bereits verkauft waren."
Ein spürbares Plus wird sich auch bei den Gebrauchtwagen-Ummeldungen ergeben. Im Vorjahr betrugen diese in ganz Österreich 738.690 (Oberösterreich: 139.467), für heuer erwarten Kinder und Riedmüller bei einem Plus von 3,5 % 764.500 Ummeldungen in Österreich bzw. 144.500 in Oberösterreich.

"Die Ökoprämie mit 30.000 steuerlich begünstigten Autos führte ab April zur großen Trendwende": Dr. Gustav Oberwallner, mit Eurotax-Geschäftsführer Mag. Hernrik Kinder und ZAF-Geschäftsführer Mag. Andreas Zederbauer

Bild: Lischka

 

Positives Ergebnis, aber kaum Margen

Das positive Jahresergebnis 2009 könne allerdings nicht darüber hinwegtrösten, dass die seit Jahren angespannte Ertragslage vor allem durch sinkende Handelsspannen bei neuen Modellen, zunehmende Personalkosten und steigende Finanzierungskosten in Zeiten schwankender Nachfrage auf dem Prüfstand steht, bleibt Oberwallner in der Beurteilung der Branchensituation absolut auf dem Boden. Obwohl noch keine endgültigen Zahlen für das Jahr 2009 vorliegen, kann jetzt schon davon  ausgegangen werden, dass trotz der günstigen Absatzzahlen kaum Margen erzielt werden konnten.

Ein ähnliches Bild hatte sich schon in den Jahren davor ergeben: Die Auswertung aus der Bilanzdatenbank der KMU Forschung Austria  zeigt, dass lediglich rund 2 % der heimischen Kfz-Einzelhandelsunternehmen im Jahr 2007/08 zu den Top-Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von über 20 % und einem Gewinn vor Steuern von mehr als 5 % der Betriebsleistung gezählt werden konnten. Demgegenüber befand sich ein Viertel der Unternehmen in einer betriebswirtschaftlich katastrophalen Situation: sie waren überschuldet und konnten ihre Kosten nicht decken, erzielten also Verluste.

Die Kfz-Einzelhandelsbetriebe konnten im Jahr 2007/08 im Durchschnitt keine Gewinne erzielen. Die durchschnittliche Umsatzrentabilität belief sich auf etwa — 0,1 % der Betriebsleistung. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Rentabilität damit verringert. 2006/07 wurden nämlich noch marginale Gewinne (rund 0,4 %) erzielt.
Dass es für die heimischen Kfz-Betriebe Handlungsbedarf gibt, unterstreicht auchMag. Andreas Zederbauer, Geschäftsführer ZA Finanzservice GmbH, die in Kooperation mit der WKO vom IRM — Institut für Relationship Marketing die Finanzierungssituation in der Kfz-Wirtschaft erheben und analysieren ließ. Knapp 540 Kfz-Betriebe beteiligten sich im Sommer 2009 an dieser Umfrage, die eine angespannte Situation in der Branche widerspiegelt.
Zederbauer: "Die Banken geben den Druck 'nach unten' weiter, wovon natürlich gerade fremdkapitalintensive Branchen wie der Autohandel überproportional betroffen sind."

Fast 70 % der Händler haben laut IRM-Umfrage Schwierigkeiten, bei ihren Banken gute Konditionen zu erhalten, wobei mehr als die Hälfte aller Betriebe (50,6 %) auch nur von einer Bank finanziert werden. Zederbauer rät in diesen Fällen zur Diversifikation bei den Finanzierungspartnern.
Fast ein Drittel aller Befragten (32 %) verfügt im Wirtschaftsjahr 2009 nicht über ausreichend Bankrahmen zur Finanzierung des laufenden Betriebes. Allerdings haben sich auch 62 % noch nicht mit Lagerfinanzierungen beschäftigt, für mehr als 93 % ist Factoring noch ein Fremdwort. Um Engpässen bei der Finanzierung zu begegnen ist für Zederbauer die Belehnung des Umlaufvermögens deshalb zwingend notwendig. Diese könnte ebenso wie der Verkauf nicht betriebsnotwendigen Vermögens und Leasing zusätzliche Liquidität bringen, denn mehr als 85 % aller befragten Händler haben vor weniger als zehn Jahren — davon mehr als 37 % sogar vor weniger als drei Jahren größere Investitionen über Kredite finanziert.

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