05.11.2014
Bundesgremium Fahrzeughandel

Zwischen Optimismus und Endzeitstimmung

Bundesgremialtagungs-Pressekonferenzen zählen ohne Zweifel zu den immer wieder kehrenden Höhepunkten im Dasein eines österreichischen Autofachzeitschriften-Journalisten.

Auch wenn sie kalkulierbar sind und den Berichterstatter kurzfristig zum Hauptdarsteller des Films „Und täglich grüßt das Murmeltier machen“. Mit einigermaßen Erfahrung und mit etwas dichterischer Freiheit ausgestattet könnte man dieser PK auch fernbleiben und in der Redaktionsstube ein Dramulett darüber verfassen. Denn auch diesmal waren die Rollen wie in einem Theaterstück klar verteilt: Der mehr denn je polternde, um die Rechte des Autohandels kämpfende und Resolutionen an die Adresse der Importeure verfassende Einzelhandelssprecher Komm.-Rat Josef Schirak, Bundesgremialobmann Komm.-Rat Burkhard Ernst, der mehr denn je in die Rolle des defätistischen Endzeitstimmungs-Fetischisten wächst und diesmal dem AUTOSERVICE-Chefredakteur nach zweimaliger Rückfrage versicherte, dass innerhalb von fünf Jahren die Hälfte der Wiener Autohändler ihren Laden zusperren werden, der mehr denn je zum Ruhepol der Autobranche avancierende die Autoimporteure vertretende und das Zulassungsplus von 1 % im Oktober hervorhebende Dr. Felix Clary und der ob seiner Eloquenz gefürchtete Alt-Gremialobmann und OÖ-Landesgremialobmann Dr. Gustav Oberwallner. Letzterem wird nach dem Aufkündigen der Zusammenarbeit mit PR-Genie Wolfgang Rosam, dessen Anfangselan beim Lobbying für die Autobranche nach Einschätzung der Bundesgremial-Mitglieder schließlich zum Erliegen kam, eine wichtige Rolle im Zusammentragen von Infos für die Öffentlichkeit zukommen.

„Zwei, die nicht mit Rosam tanzen“: (v.l.) Dr. Felix Clary und Aldringen, Vorsitzender des Fachverbands der Autoimporteure in der Industriellenvereinigung, und Vorarlbergs Landesgremialobmann Komm.-Rat Manfred Ellensohn

Bild: Weka/aü  

 

Denn das MFU soll, so der Tenor der PK, weiterbestehen, aber eben ohne Rosam, wobei Burkhard Ernst die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit ihm im Landesgremium für ein weiteres Jahr hervorhob. Es wäre aber wohl übertrieben, wenn man behaupten würde, dass nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Rosam der Haussegen zwischen Handel und Importeuren schief hängt. Die vielen gemeinsamen erfolgreichen Projekte, wie beispielsweise die gemeinsam erzielte Entschärfung der NoVA sowie das in ganz Europa einzigartige Kraftfahrzeugsektor-Schutzgesetz für den Autohandel, aber auch der laut Schirak soeben beschlossene Code of Conduct für die Gründung von Händlerverbänden sind gute Beispiele einer erfolgreichen gemeinsamen Arbeit zum Wohle der Branche. Der Einzelhandelssprecher würde sich auch bei der Garantieleistungs-Vergütung einen ähnlichen Konsens mit den Autoimporteuren wünschen, doch erntete er in diesem Punkt von Dr. Clary eine Absage, da dies Angelegenheit der jeweiligen Automarke sei. Da fehle ihm das Mandat, so die Erklärung. Kritik gab es von Schirak auch an den hohen Standards in Sachen Corporate Identity für den Autohandel und dies in einem 2014 rückläufigen Markt bei zum Teil katastrophaler Werkstättenauslastung, wie auch zuletzt im Oktober. Man müsse bei den Standards auf die Größe des Kfz-Betriebs Rücksicht nehmen und Unterschiede machen, so Schirak.

Bundesgremialobmann Komm.-Rat Burkhard Ernst (l.) und Komm.-Rat Wolfgang Dytrich, der für die Rechte des freien Teilehandels kämpft

Bild: Weka/aü

Dr. Clary verwies schließlich auf die stabilen Marktverhältnisse, die ein Neuzulassungsergebnis für 2014 von etwa 305.000 Einheiten erwarten lassen, wobei er sich über den Anteil an Kurzzulassungen nicht äußern wollte.

Sie stießen nicht nur auf die gute Arbeit im Landesgremium sondern natürlich auch auf den jüngsten 3:0-Auswärtssieg von Sturm bei der Austria an: (v.r.) Der steirische Gremialobmann Komm.-Rat Ing. Klaus Edelsbrunner und sein Stellvertreter Mag. Philipp Gady

Bild: Weka/aü  

Auf die Pressekonferenz folgte schließlich das gemeinsame Abendessen in einem Restaurant in WKÖ-Nähe, an dem auch einige LG-Obmänner teilnahmen. Auffallend war aber die Tatsache, dass mit Tirol, Kärnten und dem Burgenland immerhin drei Bundesländer diesmal der Gremial-Tagung fernblieben.

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